In den Anfangsjahren der Berufsschule in Niedersachsen wurde der Fachunterricht in den Friseurklassen ausschließlich von Friseurmeistern und Friseurmeisterinnen geleistet. Es waren also Männer und Frauen aus den Betrieben, die den Fachunterricht bestritten und nicht nur in unserem Berufsfeld. "Studierte" Lehrer und Lehrerinnen, sogenannte Gewerbelehrer, unterrichteten die allgemeinbildenden Fächer, Fachrechnen bzw. Rechnungswesen. Wen wundert es also, dass die Gründungsväter unseres Verbandes aus dem Friseurhandwerk kamen, dass Obermeister und Landesinnungsmeister dazu gehörten.

Am 13.09.1948 eröffnete Landesinnungsmeister Deppe um 10.35 Uhr die Gründungsversammlung des, so das Protokoll von damals „Niedersächsischen Fachlehrerverbandes", in Hildesheim. Die Herren verständigten sich darauf, die "... fachlichen und pädagogischen Kenntnisse des einzelnen Mitglieds durch geeignete Schulungsmaßnahmen Arbeitstagungen usw. zu fördern.Die Tätigkeit muss sich in erster Linie auf fachliche und in zweiter Linie auf gesellige Förderung einstellen."

Für diese Zielsetzung fanden sie bei der friseurkosmetischen Industrie offene Türen: Alcina, Schwarzkopf, L'Oreal, Kadus, Wella, um nur einige zu nennen, engagierten sich beispielhaft im Bereich der Lehrerfortbildung. (Tagungskosten, für die unsere Kolleginnen und Kollegen heute selbst aufkommen, entstanden damals nicht. Übernachtung, Verpflegung, alles übrige wurde bis in die siebziger Jahre hinein von den gastgebenden Firmen getragen.) Diese Veranstaltungen sorgten dafür, dass die Friseurmeisterinnen und -meister ein solides theoretisches Fundament für ihren Unterricht bekamen. Die Anstrengungen unserer Mitglieder bei ihren Arbeitstagungen zeigt folgendes Zitat aus dem Jahr 1973. So schrieb Frau Dr. Thea Müller-Kamerhuis (Alcina): "Einen Gesamtüberblick über Wirkstoffe, die in der Kosmetik verwandt werden, gab das Referat von Dr. Saphir (Alcina; d.Verf.), das aufgrund der Vielfalt des Stoffes die Zuhörer fast hätte verwirren und entmutigen können und an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit führte. Ein weiterer Vortrag über Hauttypen, ... , leitete über zur ersehnten Praxis,... ." (Informationsdienst für den Landesinnungsverband des Niedersächsischen Friseurhandwerks, Nr.3/73, Seite 16)

An dieser Stelle muss ein Name genannt werden, der für uns Niedersachsen, aber nicht nur für uns, von großer Bedeutung war: Prof. Dr. Lehmberg . Sein Wirken für das Friseurhandwerk, für die Unterrichtenden kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Gerade unser Verband verdankt ihm sehr viel!!

Anfang der achtziger Jahre kam es zu einem einschneidenden Wechsel im Vorstand. Heinrich Jürgens, Fachlehrer, Obermeister und stellvertretender Landesinnungsmeister, der die Geschicke des Verbandes über zwei Jahrzehnte bestimmte, wurde durch Hans-Hermann May abgelöst. Hinter diesen Namen steht nicht nur ein vollkommener Wechsel im Verständnis von Vorstandsarbeit, erstmalig wurden den Vorstandsmitgliedern Referate zugeordnet, sondern sie zeigten auch eine Verschiebung der Mitgliederstruktur. Drei Gründe waren dafür verantwortlich.

  1. Nach und nach schieden immer mehr Friseurmeister (Fachlehrerinnen ) aus Altersgründen aus dem Verband aus.
  2. Der Anteil an "studierten Gewerbelehrern" (Studienräten/-innen) nahm zu.
  3. Durch die Einführung des Berufsgrundbildungsjahres Körperpflege (BGJ) in Niedersachsen fanden immer mehr "Lehrer für Fachpraxis" (LfP) den Weg in die Berufsschule und zu unserem Verband. So verschob sich der Schwerpunkt von dem handwerklich bestimmten Berufsschulunterricht hin zur reinen schulisch bestimmten Unterricht. Etwas platter formuliert war es ein Wandel von der "Friseurpraxis" hin zur "Friseurtheorie".

Ein Wandel, der natürlich nicht reibungslos verlief. Diesen Wandel zu gestalten, haben sich die Mitglieder des damaligen Vorstandes zur Aufgabe gemacht: Klaus Neugebauer (er übernahm den Vorsitz von H.H. May), Vera Aschenberner, Reinhard Friedewold, Doris Kossahl, Ulla Nerge und Walter Strohmeyer

Mit dieser neuen Vorstandsstruktur verbesserte sich, durch regelmäßige Rundschreiben, der Informationsstand der Mitglieder. Waren Ankündigungen für Fortbildungsveranstaltungen bisher Anlass für Informationsschreiben, erreichten nun auch fachliche Inhalte die Leserinnen und Leser. Dieses Informationsangebot wurde später durch eine Fachartikelsammlung erweitert. Die gesamte Fachliteratur, die für unser Berufsfeld relevant ist, ist dabei gesichtet und ausgewertet worden.

Wie ein roter Faden zieht sich das Wirken unserer Mitglieder bis auf den heutigen Tag durch die unterschiedlichsten Bereiche des Berufsschullebens: Natürlich bei der Organisation von Fortbildungen, die Erstellung von Unterrichtshilfen, aber auch die Mitarbeit an der Schaffung neuer Ordnungsmittel auf Landesebene und Bundesebene. So arbeiteten Gerda Rudolph, Gerhard Lühr und Klaus-Wilhelm Schulz an den "vorläufigen Richtlinien für das BGJ im Berufsfeld Körperpflege" (1979) für Niedersachsen mit. Auf Bundesebene wurde Sabine Schroeder, sie war bis 1997 Vorsitzende des Verbandes, in die Kommission zur Erstellung neuer Rahmenrichtlinien für das Friseurhandwerk berufen. Mitglieder finden sich der Lehrerausbildung, ob nun in der ersten oder in der zweiten Phase der Ausbildung zur/zum Berufsschullehrerin bzw. -lehrer. Eigentlich haben wir überall "unsere Finger drin" und bringen unser Wissen und unsere Erfahrung ein. Aus den kleinen Pflanzen, denen unsere Gründungsväter Leben eingehaucht haben, ist ein ganzer Garten geworden.

Dennoch blieben Enttäuschungen nicht aus. Die mit so vielen Hoffnungen begleitete Einführung des erwähnten Berufsgrundbildungsjahres Körperpflege (BGJ) folgte Ende der achtziger Jahre auf Druck des (Friseur-)Handwerkes das Aus. Ich werde nie die Tränen in den Augen eines Fachpraxiskollegen vergessen, als er mir seinen Weg von der Aufgabe seines Friseurbetriebes, der Ausbildung zum Lehrer für Fachpraxis, dem Aufbau des BGJ's mit seinen Kolleginnen und Kollegen erzählte. Das (schulische) BGJ gibt es nicht mehr an seinem Schulstandort. Er unterrichtet heute in einem anderen Berufsfeld.

Ein solcher Rückblick kann nur Ausschnitte aus unserer langen Geschichte erfassen. (Es würde sich sicherlich lohnen diesen Verband als Teil der Geschichte der niedersächsischen Friseurausbildung einmal wissenschaftlich zu bearbeiten!?) Vieles müsste noch genauer beleuchtet werden, ich denke gerade an die Anfangsjahre des Verbandes, an die Mitarbeit im Bundesverband der Lehrer im Berufsfeld Körperpflege, an die Gründung der Verbände in den neuen Bundesländern, wir hatten die Ehre "Taufpaten" zu sein bei der Gründung des Landesverbandes in Sachsen-Anhalt, usw., aber dies würde den Rahmen dieser Festschrift sprengen.

So bleibt mir vor allem Dank zu sagen all denen die diesen Verband gegründet haben, die ihn groß gemacht haben.
Dank sagen allen, die ihn durch ihre Arbeit voran gebracht haben.
Dank sagen allen, die ihn unterstützt haben.
Dank sagen allen, die unseren Verband mit Herz und Verstand begleitet haben.